Fragen unerwünscht?

„Klartext, Frau Merkel!“: Was das ZDF ankündigte, erwarteten die Bürger von der Kanzlerin. Doch wie jetzt herauskommt, gab es zu einem Thema keinen Klartext – dem islamistischen Terroranschlag im vergangenen Dezember in Berlin. Denn die Sprecherin der Hinterbliebenen der Opfer vom Breitscheidplatz wurde aus der Sendung ausgeladen. Ein unguter Verdacht steht im Raum.

Der Anschlag auf Besucher des Berliner Weihnachtsmarkts an der Gedächtniskirche im vergangenen Dezember hatte Deutschland kurz vor Heiligabend ins Mark getroffen. Insgesamt zwölf Menschen starben. Am vergangenen Donnerstag sollte Astrid Passin, die Sprecherin der Hinterbliebenen, in der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel!“ auftreten. Wie andere Bürger auch, hätte sie dort Fragen an die Kanzlerin stellen können. Doch dazu kam es nicht. Passin wurde kurzfristig ausgeladen.

Der Mainzer Sender sagte gegenüber der Berliner Morgenpost, „dass sich die Redaktion ‚unmittelbar vor der Sendung noch einmal mit den möglichen Gästen befasst‘ habe.“ Man habe nach der „Klartext“-Ausgabe mit Merkels Herausforderer Schulz „kritisch geprüft, wem der Druck der Live-Situation und die mediale Nachwirkung eines Auftritts vor einem Millionenpublikum zuzumuten ist.“ Nach der Schulz-Sendung seien Fragesteller von Medien und in sozialen Netzwerken attackiert worden. Das habe man Passin ersparen wollen.

Nicht das erste Mal

Für Astrid Passin war es laut Medienberichten aber nicht das erste Mal, dass sie mit Merkel schlechte Erfahrungen machen musste. So habe Monate nach dem Anschlag, am 28. März,  ihr Anwalt Andreas Schulz einen Brief an Merkel geschrieben und darin um ein Treffen mit den Hinterbliebenen gebeten. Das sei allerdings abgesagt worden. Passin enttäuscht: „Wir möchten schon gern wissen, warum sie sich als Bundeskanzlerin noch nicht die Zeit genommen hat, uns kennenzulernen, und warum von ihr nicht wenigstens ein persönliches Kondolenzschreiben kam.“

Ein böser Verdacht

Wie Passin gegenüber der Berliner Morgenpost berichtet, habe es weitere Gespräche mit dem ZDF gegeben. Dabei sei dann auch gefragt worden, welche Fragen sie stellen wolle. Darauf habe sich die Hinterbliebenen-Sprecherin aber nicht einlassen wollen: „Ich wollte mir das vorbehalten, spontan zu agieren, so wäre es ja auch authentischer.“ Zunächst schien das für den Sender kein Problem zu sein. Dann die Absage.

Jetzt steht der Verdacht im Raum: Wollte man keine unbequemen Fragen? Die CDU dementiert. Man habe keinen Einfluss auf die Gäste: „Wir haben die Gäste nicht ausgesucht, hatten keinerlei Zugang zum Auswahlverfahren und keine Kenntnis, wer als Gast erscheinen und was er fragen wird“. Und das ZDF? Der Sender sei mit Passin in Kontakt und plane eine Doku über die Opfer des Anschlags und ihre Angehörigen.

Ein Geschmäckle bleibt.

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