Interview: Was bedeutet die Adventszeit für Paketzusteller?

Ruhe und Besinnlichkeit? Von wegen! Mit dem ersten Advent beginnt für viele Geschenkejäger die stressige Hatz nach den perfekten Weihnachtsgeschenken für ihre Lieben. Gerade online wird bestellt, bis die Computer-Maus glüht. Was bedeutet dieser Einkaufsrummel für diejenigen, die die bestellten Waren zu den Kunden bringen? Darüber habe ich mich mit einem Paketzusteller aus dem Raum Frankfurt am Main unterhalten. Er möchte anonym bleiben.

Heute ist der erste Advent. Für viele fängt jetzt die „heiße Phase“ des Geschenkekaufens an – was bedeutet das für Euch als Zusteller?

Natürlich jede Menge an Paketen und Überstunden. Stellenweise auch ungeduldige Kunden, wenn Pakete verspätet ankommen. Und vor allem gute Nerven.

Falls Kunden da mal sauer sind – wie reagierst Du?

Ich versuche freundlich zu bleiben und dem Kunden zu erklären, was passiert sein könnte und warum das Paket verspätet ankommt.

Das sehen sie dann auch ein?

Die Meisten ja. Es gibt aber auch immer Kunden, die kein Einsehen haben und da muss man dann etwas Überzeugungsarbeit leisten. Schließlich können wir die Pakete ja nicht herzaubern.

Du hast von Stress und Überstunden gesprochen. Wann beginnt für Euch die stressige Zeit? Erst im Advent?

So langsam los geht es eigentlich schon Ende Oktober. Richtig stressig sind dann die drei Wochen vor Weihnachten.

Wie fangt ihr die Mehrarbeit auf? Bekommt ihr personelle Verstärkung?

Ja natürlich, sonst wäre das alles nicht machbar. Dann würden wir mit rund 350 bis 450 Paketen am Tag rausfahren und das ist logischerweise nicht machbar.

Apropos: Wie viele Pakete passen denn in Eure Autos rein? Müsst ihr da unter Umständen mehrmals am Tag „nachladen“?

Gute Frage! Kommt natürlich auch auf die Größe der Pakete an, aber schätzen ist da ganz schwer. Geladen wird nur morgens und das sollte dann am Arbeitstag auch ausgefahren werden.

Endet der Stress mit dem 24. Dezember?

Erstmal ja – und zwischen den Jahren ist es auch meist ruhig. Richtig los geht es dann nochmal am Jahresanfang, wenn Gutscheine eingelöst bzw. Umtauschaktionen getätigt werden.

Hand aufs Herz: Weihnachten bedeutet für Dich viel Arbeit und Stress – freust Du Dich da noch auf die Adventszeit?

Ich bin kein Weihnachtsmensch und eher froh, wenn das Ganze endlich vorbei ist. Meiner Freundin zuliebe machen wir uns aber an den Adventssonntagen eine schöne Zeit.

Zum Schluss: Dein skurrilstes Zustellerlebnis in der Weihnachtszeit?

Immer schön ist es, wenn Kunden zwei Tage vor Weihnachten bestellen oder Pakete wegschicken und fragen: „Kommt das auch noch rechtzeitig an?“ Da kann ich dann meist nur den Kopf schütteln.

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