On the Road: Ab nach „Mainhattan“!

Ihr Anblick ist immer wieder ein herrliches Erlebnis. Am Anfang muss man sie noch mit den Augen suchen. Dann kommen sie näher. Klein wirken sie – zunächst. Wachsen mit jedem Meter an. Bis man schließlich den Kopf weit in den Nacken legen muss, um ihre Spitzen zu sehen. Die Rede ist von Frankfurts Wolkenkratzern.

Als echter Hesse muss ich einfach ab und an in die Metropole am Main zurückkehren. Mal wieder bissi Hessisch bäbbeln. Bissi Grie Soß essen. Dem Römerberg ’nen Besuch abstatten. Quasi der Haddsch für Hessen.

Fernweh am Flughafen

Jetzt war’s wieder soweit. Zunächst ging es aber nicht in die Innenstadt, sondern zum Flughafen. Dort habe ich mir den Duft der großen weiten Welt um die Nase wehen lassen. Okay, die große weite Welt roch draußen ziemlich nach Kerosin. Und drinnen nach Mc Donald’s. Und Nordsee. Und dem schweren Parfüm einer arabischen Reisegruppe. Aber wie ich so durch die Terminals geschlendert bin, da packte mich dann doch… Fernweh. Am liebsten hätte ich spontan gefragt, wo noch ein Platz frei ist. Gepäck? Egal! Das Nötigste wird eben am Flughafen gekauft. Zahnbürste. Was zum Wechseln. Und los könnte es gehen. Seufz!

Das Tor zur weiten Welt.
Das Tor zur weiten Welt.

Der Blick auf die Abflug- und Ankunftstafeln weckte erst recht Abenteuerlust. London. Amsterdam. Dallas. Tokyo. Moskau. Die ganze Welt auf ein paar Flachbildschirmen. Was weit entfernt ist, lag plötzlich zum Greifen nah. Reges Treiben in den Gängen, ratternde Koffer und irgendwo in der Ferne leicht verzerrt die elektronische Stimme einer Dame, die mitteilte, dass sich eine Maschine aus New York verspätet. Kurz huschten Bilder der Stadt durch meinen Kopf. Das Empire Sate Building. Die Brooklyn Bridge. Der Central Park. Seufz und Doppel-Seufz!

Aus dem geschäftigen Gewusel löste ich mich schließlich schweren Herzens und marschierte zurück in Richtung Parkhaus. Das Stimmgewirr von gefühlt 500 Nationen ebbte immer mehr ab – und irgendwann stand ich vorm Parkautomaten. Knapp zehn Euro verlangte der elektronische Parkplatz-Chef – für nicht einmal zwei Stunden. Dreist! Aber so günstig komme ich sonst wahrscheinlich nicht in die große weite Welt.

Die trotzige Oper

Kuscht nicht: die Alte Oper.
Kuscht nicht: die Alte Oper.

Nächster Halt: Alte Oper. Genauer gesagt: Das Parkhaus darunter. Mit 2,50 Euro die Stunde deutlich humaner als der Flughafen. Dennoch gesalzen. Also nix wie ab an die Oberfläche. Immer wieder erstaunlich, wie sich in Frankfurt Tradition und Moderne die Klinke in die Hand geben. Zwischen den glänzenden Wolkenkratzern um sie herum wirkt die Oper winzig. Aber nie geduckt. Nie schüchtern. Eher trotzig. „Hier bin isch, hier bleib isch ach! Was jucke misch die moderne Ferz!“, scheint sie zu sagen.

Durch die Freßgass und am Goethe vorbei landete ich schließlich am Römerberg. Dort waren gerade nicht nur Gelnhäuser Schausteller damit beschäftigt, ihre Stände aufzubauen. Permanent versuchten die umliegenden Gastronomen, einen in ihre Lokale zu ziehen. Und überboten sich gegenseitig mit ihrem tollen Sortiment.

„Möschte Sie Kuche habbe? Den gibt’s hier!“, sagte eine Dame. Die Konkurrenz mischte sich ein: „Kuchen, Torten, Eiscreme – schauen Sie doch rein.“ Die dritte schließlich: „Kalt, warm – mir habbe alles!“ Harte Konkurrenz. Wenig Platz. Da muss man aktiv sein, klar. Trotzdem fühlte ich mich wie auf St. Pauli: „Kommse rein. Hübsche Mädchen, billiges Bier. Kommse rein!“ Nur halt mit Kuchen. Und Eiscreme.

Immer wieder schön: die Frankfurter Skyline.
Immer wieder schön: die Frankfurter Skyline.

Als ich auf dem Heimweg langsam „Mainhattan“ mit seinen glasverkleideten Wolkenkratzern hinter mir ließ, da waren mir zwei Dinge klar. Erstens: Genug Großstadt für heute. Laut isses, eng isses und mit den hohen Häusern ist der Himmel manchmal nur ein schmaler Streifen. Irgendwie wird’s mir da klamm. Und zweitens: Trotz allem kann ich’s nicht abwarten, bis ich wieder zurückkomme. Dann probiere ich auch was vom Kuchen. Und der Eiscreme.

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